Bewegtes Lernen in Paderborn

Squash, Baseball und Wandern auf den Spuren der Informationstechnik

Auch in diesem Jahr ermöglichte die Berufliche Schule Nidda ihren Fachoberschülern/innen der Fachrichtung Informationstechnik als Einstieg in das gewählte Schwerpunktfach und Basis für kommende Unterrichtsvorhaben eine themenbezogene Studienfahrt in die deutsche IT-Hochburg Paderborn.

Am 19. Februar 2018 ließ die Klasse 11 FOC das Klassenzimmer hinter sich und startete, begleitet von zwei Fachlehrern, ihre viertägige Exkursion rund um das größte Computermuseum der Welt.

In Paderborn angekommen, informierten sich die Jugendlichen gegenseitig durch vorbereitete Kurzvorträge über die 1200-jährige Geschichte der Stadt und deren vielfältige Sehenswürdigkeiten. Bei ihrem Rundgang lernten sie Paderborns scheinbare Gegensätze von Tradition und Innovation, Altem und Neuem, Hightech und Mittelalter kennen.

Der zweite Tag der Studienfahrt stand ganz im Zeichen einer spannenden Mischung aus Technik und Sport, die durch die Heinz Nixdorf Stiftung gefördert wird. Der Physiker und deutsche Computerpionier Heinz Nixdorf gründete 1952 eine Firma für Elektronenrechner, die sich zum viertgrößten Computerhersteller Europas entwickelte. In dem aus seinem Vermächtnis hervorgehenden und nach ihm benannten Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) erlebten die Schüler auf 6000 m2 Fläche eine Zeitreise durch 5.000 Jahre Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnik. Sie bestaunten den ersten elektronischen Computer “ENIAC” von 1946, der eine ganze Halle füllte. Heute passt dessen Rechenleistung auf einen stecknadelgroßen Mikrochip. Nixdorf erkannte diese Entwicklung bereits zu Zeiten der Großcomputer von IBM und Siemens: „Computer müssen so klein sein, dass sie in die linke untere Schublade eines Buchhalter-Schreibtisches passen.“ Gegenwart und Zukunft der Computertechnologie zeigten sich auch am mobilen Serviceroboter Peter, Paderborns Erster Toller ErklärRoboter. Er führte die Schüler vom neuesten Apple Computer hin zu Exponaten künstlicher Intelligenz, wie z.B. dem humanoiden Roboterklon „Nadine“ und dem sprechenden Avatar „Max“.

Heinz Nixdorf war jedoch nicht nur Wegbereiter der Informationsgesellschaft, sondern auch Hochleistungssportler und ein bedeutender Sportförderer. 1983/84 ließ er auf seinem Betriebsgelände den Ahorn-Sportpark errichten, heute eine multifunktionale Freizeitanlage mit mehr als 500.000 aktiven Benutzern pro Jahr. Seine Auszubildenden stelle er zwei Arbeitsstunden pro Woche für sportliche Übungen im Ahorn-Sportpark frei, da, so Nixdorf, „die körperliche Verfassung unserer Jugend zum Teil ganz entsetzlich ist“. Im Ahorn-Sportpark erhielten die Schüler zunächst eine Einführung in den Squash-Sport durch Norman Farthing, dem Geschäftsführer des Paderborner Squash Clubs. Farthing, der als einer der besten Manager seines Fachs gilt, erläuterte anschaulich und überzeugend, wie wichtig es ist, Ziele zu haben und Pläne zu verfolgen. Seinen Vortrag begann er mit der an einzelne Schüler gerichteten Frage „Wo bist du in fünf Jahren?“, worüber viele bis dato noch nicht nachgedacht hatten.

Nach eineinhalb Stunden Squash bekamen die Schüler noch einen Einblick in die traditionsreiche amerikanische Sportart Baseball, die logisches Denken, Konzentration und vollen Körpereinsatz erfordert. Auch beim Baseballtraining war selber ausprobieren angesagt.

Am dritten Tag ging es zur Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik der Universität Paderborn, die zu den drei besten Deutschlands zählt. Das Institut für Informatik hatte für die Jugendlichen ein abwechslungsreiches Einführungsprogramm zusammengestellt. Zunächst informierte Prof. Dr. Christian Plessl über Zugangsvoraussetzungen und Inhalte des Bachelor-/Masterstudiengangs der Informatik, für den ausreichende Englischkenntnisse unerlässlich seien. Thema der anschließenden Gastvorlesung von Prof. Dr. Marco Platzner war „Der Mikroprozessor und Moore’s Law“.

Das „Mooresche Gesetz“ beschreibt die Voraussage des Intel-Mitbegründers Gordon E. Moore, nach der sich alle 18 bis 24 Monate die Anzahl der elektronischen Schaltungen im Prozessor verdoppelt. Das entsprechende Modell dieser empirischen Regel war den Schülern bereits aus dem Computermuseum bekannt.

Nach einer Führung durch den sog. „Reinraum“, in dem zur Herstellung moderner Mikrochips die Konzentration luftgetragener Teilchen sehr gering gehalten wird, schloss das Universitätsprogramm mit dem Workshop „Leuchten, Messen Steuern – Mikrocontroller machen Licht“ ab. Mit Hilfe von Arduino-Mikrocontrollern konnten die Schüler einfache Programmierungen zum Ansteuern von LED’s ausprobieren.

Abgeschlossen wurde der Tag in der Volkssternwarte Paderborn mit einem einführenden Vortrag über unser Sonnensystem und der Gelegenheit, den kraterübersäten Mond sowie den Nebel im Gürtel des Orion durch ein Teleskop zu betrachten.

Die Schüler und Lehrer erlebten mit der Studienfahrt nach Paderborn einen anschaulichen und experimentellen Exkurs in die Praxis und Wissenschaft der Informationstechnik. Auch zeigte sich: Das harmonische Zusammenspiel von Geist und Sport kann nachhaltiger und wirksamer vor Ort erfahren werden als in manch theoretischer Unterrichtsstunde. 

B. Geier-Müller und K. Walter (Lehrer an der BSN), 9.4.2018

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